Crossmediale Medienproduktion lernen - kostenfreies Tutorial5 Minuten Lesezeit

#2 💡 Finde ein Thema

#2 💡 Finde ein Thema

Wie du dich von einer Idee finden lässt und die Checkliste für gute Themen anwendest. Bevor wir mit der Konzeption einer Medienproduktion beginnen können, brauchen wir eine Idee für ein Thema. Hier setzt meine heutige Geschichte an.

Bitte nicht grübeln!

Die folgende Szene spielte sich jahrelang immer gleich ab: Ich frage die Studierenden, ob sie für ihr Video schon ein Thema gefunden haben. Und sie antworten mit häufig identischem Wortlaut: „Wir wollen uns morgen zusammensetzen und das Thema besprechen“. Das hat dann mehr oder weniger gut geklappt. Woran das lag, war mir lange ein Rätsel. Bis ich herausfand, dass die Studierenden mit einer falschen Erwartungshaltung an die Aufgabe herangingen.

Dabei gab es unterschiedliche Konstellationen: Manchmal hatte niemand im Team eine Idee, also hatten sie nichts zu besprechen. Manchmal suchten sie nach der „perfekten“ Idee und konnten sich nicht einigen. Manchmal war die Idee einfach zu hochgegriffen für unsere Ressourcen und Möglichkeiten. So saßen sie am nächsten Tag wieder am Schreibtisch und grübelten vor dem sprichtwörtlich weißen Blatt Papier. Der Arbeitsprozess war bereits ins Stocken geraten, bevor es überhaupt losging. Es musste eine Methode her, mit der wir Themen identifizieren und überprüfen konnten.

Das Lernziel: sich von einer Idee finden lassen

In seinem Buch Anleitung zum Unkreativsein geht Dirk von Gehlen davon aus, „dass Kreativität ein besonderer Blick auf die Welt ist, den man lernen und entwickeln kann“ (S.15). Er vergleicht Kreativität mit einem Muskel, den es zu trainieren gelte, indem wir viele schlechte Ideen solange weiterentwickeln, bis eine gute dabei ist. Um das zu erreichen, müssen wir eine offene Haltung einnehmen, uns von der Idee finden lassen, statt aktiv nach ihr zu suchen.

Dirk von Gehlen schreibt: „Kreativität basiert auf der Bereitschaft, neue Perspektiven einzunehmen und ungewöhnlichen Ansichten zu folgen“ (S.19). Menschen mit diesem kreativen Mindset beschreibt er mit dem Akronym OFFEN (S.29-31):

O = originell in ihren Vorschlägen, Lebensführung, Wortbeiträgen

F = flexibel, klammern sich nicht dogmatisch an Regeln, sondern suchen pragmatische Lösungen

F = frei von Angst, etwas falsch zu machen und gedanklich ungebunden

E = engagiert mit hoher Motivation und Ausdauer

N = neugierig, stellen interessierte und interessante Fragen

Bitte behalte dieses Mindset im Hinterkopf für die folgenden Übungen und Videostutorials.

Übung: 15 Minuten für eine Inspiration

Eine Inspiration ist ein unbewusster Gedanke, ein Aha-Moment, den du bei dir selbst beobachtest. Dafür brauchst du ein offenes Mindset. Du beobachtest deine eigene Wahrnehmung und gehst nicht sofort in eine Bewertung. Konkret kannst du das tun:

  • Deine Umgebung für 15 Minuten beobachten.
  • Einen Text zu einem dir unbekannten Thema lesen, z. B. in einer Fachzeitschrift in deiner Bibliothek.
  • Ein Gespräch mit einer dir weniger bekannten Person führen, z. B. in der Mensa.
  • Eine WARUM-Frage mit einem KI-Modell besprechen.

Mache dir Notizen. Welches Thema oder welche Themen ließen sich aus deinem Aha-Moment ableiten? Wende anschließend die Checkliste für gute Themen an, die du weiter unten findest.

Ideenfindung und Kreativitätstechniken

Von der Idee zur Geschichte - Was ist ein gutes Thema, und wie finde ich es?

Inhalt: 0:44 Bitte nicht grübeln! | 2:23 Lass dich inspirieren! | 5:09 Aha-Effekt: Fundstücke sammeln | 6:26 Checkliste für gute Themen | 9:37 Übung und erste Analyse

Ideenfindung - von der Idee zur Geschichte Erst beim Klick wird es von YouTube geladen.

Präzisiere deine Idee, indem du Kreativitätstechniken anwendest.

Inhalt: 0:31 Brainstorming & Assoziationen | 2:51 Die Warum?-Methode | 6:13 Stelle die richtigen Fragen! | 7:22 Denke rückwärts! | 7:47 Übung: Kreativitätstechnik anwenden

Kreativitätstechniken - Präzisiere deine erste Themenidee Erst beim Klick wird es von YouTube geladen.

Checkliste für gute Themen

Mit der Checkliste für gute Themen prüfst du, ob dein Thema Potential hat:

  • RELEVANT - Kann die Zielgruppe den Bezug zum eigenen Leben erkennen? Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?
  • NEUGIERIG - Ist das Thema neu und überraschend? Gibt es einen aktuellen Bezug? Warum ist es für die Zukunft wichtig?
  • VERSTÄNDLICH - Kannst du das Thema so vermitteln, dass das Publikum deine Aussage leicht begreifen kann? Gibt es einen Zusatznutzen?
  • UNTERHALTSAM - Mit welcher Emotion möchtest du dein Thema erzählen?
  • PROVOKANT – Du darfst dein Publikum gerne herausfordern, damit es mit dir in Dialog tritt. Gibt es einen Konflikt oder ein Dilemma?
  • VISUELL - Mit welchen Bildern kannst du dein Thema bildstark in Szene setzen?

15 Minuten für Perspektivenvielfalt

Wer recherchiert, sieht die Welt aus einer Perspektive: der eigenen. Journalistische Medien sollen den gesellschaftlichen Diskurs abbilden. Aber Redaktionen und Parlamente sind selten so vielfältig besetzt wie die Gesellschaft, über die sie berichten. Was dabei fehlt, merkt niemand, denn du vermisst keine Perspektive, die du nicht kennst. Das kannst du dafür tun:

  • Tausche dich mit anderen Personen über deine Ideen aus.
  • Recherchiere Quellen, die eine Gegenposition vertreten.
  • Frage einen KI-Chatbot gezielt nach anderen Perspektiven: Welche Individuen oder gesellschaftlichen Gruppen könnten betroffen sein? Wer engagiert sich dafür oder dagegen?

In meiner Masterarbeit im Studiengang Zukunftsdesign habe ich mich damit beschäftigt, inwiefern Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, perspektivenreichere Fragen zu stellen. Ich habe dafür einen Chatbot gebaut, den du ausprobieren kannst.

Das Stimmungsbarometer: 😊

Spirale auf einer Betonwand mit zehn Emojis von grinsend bis erschöpft

Dieser Teil des Prozesses soll Spaß machen und sich nicht wie Arbeit anfühlen. Alles was du brauchst, ist etwas Zeit und eine offene Haltung, damit dein Thema dich finden kann. Lass dich von deiner Neugier leiten!

Weiterführende Informationen