Journalismus: Hoffnung, Vertrauen & Verantwortung #re:publica26

„Never gonna give you up“ ist das Motto der 19. re:publica in der STATION Berlin. In diesen vier Sessions habe ich Menschen gesehen, die hoffnungsvoll und optimistisch andere anstecken wollen, aktiv zu werden und neue Wege auszuprobieren.

Sie machen Vorschläge, wie Medien gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und Vertrauen gewinnen können. Dabei denken sie Journalismus in neuen Formaten von Begegnung, Spiel, besseren Gesprächen und Humor.

„Was wäre, wenn Journalismus mehr als Video, Audio oder Text ist?“

Die Frage von Ellen Heinrichs auf der re:publica hat mich irritiert. Seit über 20 Jahren vermittle ich Studierenden, wie aus Themen journalistische Formate werden. Das Medium selbst habe ich nie hinterfragt.

Die Politikwissenschaftlerin Dr. Julia Reuschenbach sagt auf dem Panel „Das skaliert nicht!“: Menschen wünschen sich mehr echte Begegnungen. Was passiert also, wenn Journalismus nicht nur Inhalte produziert, sondern Begegnungen schafft?

Das Bonn Institute hat dafür ein Spiel entwickelt: Sechs Menschen sprechen über Themen, die sie bewegen, ohne zu streiten! Ja, das skaliert erstmal nicht. Aber wenn es viele spielen, vielleicht schon.

Mein zweiter Aha-Moment: Journalist*innen moderieren das Spiel nicht. Sie stellen keine Fragen. Sie hören zu.

Zuhören und konstruktive Fragen zu stellen, spiele in der journalistischen Ausbildung bislang kaum eine Rolle, sagt Ellen Heinrichs.

Vertrauen entsteht nicht durch Reichweite. Vertrauen entsteht im Gespräch. Ich werde es nur herausfinden, wenn ich es ausprobiere 🙂

KI, hilf mir, meine Meinung zu ändern!

Meinungsfreiheit bringt wenig, wenn wir unsere Meinung nie ändern, sagt Dirk von Gehlen im Gespräch „Besser diskutieren“ mit Stefan Niggemeier auf der re:publica.
 

Heute wird genau das aber bestraft: In Talkshows gilt nicht Zweifel als Stärke, sondern Standhaftigkeit. Deshalb schaue ich sie mir selten an. Ich kann mir keine eigene Meinung bilden, wenn es nur darum geht, recht zu behalten und mein Weltbild zu bestätigen oder zu widerlegen.

Wer seine Position korrigiert, wird als unsicher wahrgenommen. Wer sie verteidigt, wirkt überzeugend. Dabei zeigen Studien: Menschen ändern ihre Meinung selten wegen besserer Argumente. Sie ändern sie, wenn es sozial sicher ist, ihre Identität nicht zu verlieren. Das Problem ist also nicht das fehlende Wissen, sondern die Angst vor dem Gesichtsverlust. 

Hier setzt eine von Dirks Ideen an: KI als geschützter Denkraum. Sie könnte Gegenargumente liefern, ohne soziale Konsequenzen. So würde Meinungsfreiheit nicht nur bedeuten, sagen zu dürfen, was man denkt, sondern denken zu dürfen, ohne Angst, die Meinung zu ändern.

„Besser diskutieren“ hilft allerdings nur, wenn beide Seiten an Wahrheit oder einer Lösung interessiert sind. Wird der Diskurs instrumentalisiert, braucht es Institutionen, Recht und gesellschaftliche Mehrheiten.
 
Wann hast du zuletzt deine Meinung geändert?

4 Biases, die gute Gespräche erschweren

Confirmation Bias: Menschen suchen bevorzugt nach Informationen, die ihre bestehenden Überzeugungen bestätigen.

Motive Attribution Asymmetry: Menschen unterstellen der „Gegenseite“ grundsätzlich niedere Motive, während sie die eigenen Überzeugungen als moralisch hochwertig wahrnehmen.

Memifizierung von Meinungen: Meinungen werden wie Memes behandelt, als Identitätsmarker, die Zugehörigkeit signalisieren, nicht als fluide Positionen.

Third-Person-Effekt: Menschen glauben, selbst immun gegen Manipulation zu sein, unterstellen aber anderen, schutzlos ausgeliefert zu sein. Das erschwert, eigene blinde Flecken zu erkennen.

Unser Gehirn gibt niemals auf!

Maren Urner ist „radikal hoffnungsvoll“ auf der re:publica.. 

Klimakrise, Demokratien unter Druck, permanente Überforderung: Viele Menschen reagieren mit Lähmung oder Ablenkung. Das Problem daran: Chronische Angst blockiert Handlungsfähigkeit. Und sie verdrängt genau das, was wir brauchen: Hoffnung.

Hoffnung ist keine Stimmung. Sie ist eine Haltung, die Menschen lernen und weitergeben können. Gelebte Hoffnung ist ansteckend. Sie besteht aus drei Zutaten: Ich kann, ich will und ich finde Wege zum Ziel.

Organisationen, die Hoffnung wirklich leben verfolgen ein neues Wofür – eine Vision jenseits des Status quo. Sie bringen Menschen zusammen, die vorher nicht an einem Tisch saßen. Und sie erzählen eine neue Geschichte darüber, wie etwas funktioniert oder anders sein könnte.

Hoffnung ersetzt weder politischen Druck noch Reformen. Aber Organisationen in Bildung, Medien und Politik zeigen: Innere Überzeugung kann äußere Veränderung antreiben.

PS: High Hoper sollen glücklicher, erfolgreicher, gesünder sein und bessere Bewältigungsstrategien haben. Bist du ein High Hoper?

High Hopers

Fun Facts - humorvoll und konstruktiv

Sie nennen sich „die Bande“ und ihre Werkzeuge sind Fakten und Humor. Heute auf dem re:publica Panel: Frederik von Castell (Moderation), Sarah Bosetti, Maren Urner, Anette Dowideit und Sebastian 23.

Mit dem Format Fun Facts bringen sie wichtige Themen witzig und richtig live auf die Bühne. An jedem Wochentag wird eine Folge live vor Publikum aufgezeichnet.

Fun Facts mit Sarah Bosetti

Auf der re:publica nimmt Sarah Bosetti ihre zweite Folge auf. Normalerweise schreibt ein Team aus bezahlten Autor*innen. Die Hosts treten ohne Gage auf.

Sarah Bosetti schreibt lieber selbst. Das Thema: Frauen. Die U-Bahn am Gleisdreieck rumpelt gefühlt 50 mal über das Hallendach. Sarah Bosetti setzt neu an, bis die Folge schließlich im Kasten ist. Das „zeitlose Thema“ soll im Sommer veröffentlicht  werden.