Masterarbeit Zukunftsdesign · mit einem Chatbot zum Ausprobieren
Kann Künstliche Intelligenz Journalist*innen helfen, perspektivenreichere Fragen zu stellen? Ich habe dafür einen Chatbot gebaut, ihn mit 42 Personen getestet und die Ergebnisse gemessen. Beides steht hier: das Werkzeug und die Arbeit dahinter.
Masterarbeit im Studiengang Zukunftsdesign, Hochschule Coburg · am Beispiel der Ausbildungsredaktion uniCROSS im Medienzentrum der Unibibliothek Freiburg
01 · Das Problem
Journalistische Medien sollen den gesellschaftlichen Diskurs abbilden. Aber Redaktionen und Parlamente sind selten so vielfältig besetzt wie die Gesellschaft, über die sie berichten. Was dabei fehlt, merkt niemand, denn du vermisst keine Perspektive, die du nicht kennst.
02 · Was die Studie zeigt
Alle bearbeiteten dasselbe Thema zweimal: erst allein, wie in ihrer bisherigen Praxis, dann im Dialog mit dem Navigator. Danach bewerteten sie beide Ergebnisse. Ein Vorher-Nachher-Vergleich mit derselben Personengruppe.
Künstliche Intelligenz arbeitet mit existierenden Daten. Sie kann keine neuen Ideen denken und keine Fragen stellen, die noch nicht gestellt wurden. Das kann bislang nur der Mensch.
03 · Der Chatbot
Der Chatbot nimmt die Perspektiven von sechs studentischen Personas ein. Er ersetzt dein Denken nicht, er kommt danach: wenn dein Thema steht und du wissen willst, was du übersehen hast.
Thema und Leitfrage formulierst du wie immer. Der Chatbot erzeugt keine Themen, er prüft deine. Die Basis bleibt deine eigene Inspiration.
Der Chatbot antwortet aus allen sechs Perspektiven: Welche Recherchefragen stellt jede Persona? Welche Bildideen hat sie? Betrifft sie das Thema im Alltag und in der Zukunft? Welcher Konflikt steht für sie im Vordergrund und wie wird daraus ein Dilemma statt einer Zuspitzung?
Neue Recherchefragen, eine veränderte Leitfrage, eine Bildidee. Oder du stellst fest, dass du nichts übersehen hast. Beides ist ein Ergebnis.
04 · Die sechs Personas
Die Personas beruhen auf einer Befragung in der studentischen Ausbildungsredaktion uniCROSS, ausgewertet nach Methoden der qualitativen Sozialforschung. Die Merkmale orientieren sich an der Charta der Vielfalt, Wertvorstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen. Die Personas sind fiktiv, aber aus Merkmalen echter Menschen gebaut.
Fiktive Portraits: KI-generiert
Extravertierte Persönlichkeiten mit progressiven Wertvorstellungen, überwiegend privilegiert bzw. in einer Dimension benachteiligt. Zusammen stehen sie für etwa 65 bis 75 Prozent der Studierenden bei uniCROSS.
Introvertierte Persönlichkeiten, die mehrfach oder vielfach Benachteiligung in unterschiedlichen Dimensionen erfahren. Sie repräsentieren etwa 20 bis 25 Prozent der Redaktion.
Die beiden negativen Personas: Menschen, die in der Redaktion gerade nicht vertreten sind. Sie haben eher konservative Wertvorstellungen, fühlen sich in einer Dimension benachteiligt und gehen ihren Weg zielstrebig allein.
05 · Die Arbeit lesen
Die ganze Arbeit steht offen im Blog, Kapitel für Kapitel. Wer lieber am Stück liest, lädt die pdf-Datei herunter.
01
Sieben Kapitel Bestandsaufnahme: die Transformation als neue Epoche, Medien als Vierte Gewalt, vernetzte Daten und Algorithmen, das menschliche Gehirn zwischen Emotion und Verzerrung, politische Kultur, Werte und Polarisierung, demokratische Kompetenzen. Teil 1 lesen
02
Sieben Kapitel Theorie: die superdiverse Gesellschaft, konstruktiver Journalismus, die Persona als Methode, generative KI und Large Language Models, KI im Journalismus, digitale Ethik nach Value Sensitive Design. Am Ende steht die Forschungsfrage. Teil 2 lesen
03
Sechs Kapitel eigene Forschung: wie die Personas entstanden, das Forschungsdesign, die Ergebnisse, ihre Analyse und was daraus für die Demokratie folgt. Teil 3 lesen
06 · Wer dahintersteht

Zukunftsdesignerin M.A. · Diplom-Medieninformatikerin · Journalistin · KI-Trainerin (TÜV-zertifiziert)
Diese Arbeit ist mein Abschluss im Masterstudiengang Zukunftsdesign an der Hochschule Coburg, berufsbegleitend in drei Jahren. Sie verbindet, was ich vorher gelernt hatte: Medieninformatik, Journalismus und zwanzig Jahre Lehre.
Den Navigator für Perspektivenvielfalt habe ich in der journalistischen Ausbildungsredaktion uniCROSS entwickelt und getestet, die ich im Medienzentrum der Unibibliothek Freiburg leite. Die Personas beruhen auf einer Befragung genau dieser Redaktion. Es ist ein Werkzeug aus der eigenen Praxis, geprüft an den Menschen, für die es gedacht ist.
Was mich an dem Thema festhält: Perspektivenvielfalt ist keine Frage der Gesinnung, sondern eine des Handwerks. Man kann sie üben, und man kann messen, ob sie wirkt.
07 · Was offen bleibt
Die Ergebnisse sind signifikant. Aber der Chatbot muss noch in den Redaktionsalltag integriert werden. Außerdem: Was ich nicht herausfinden konnte.
Frei zugänglich
Beides steht offen für Verfügung. Der Navigator zum Ausprobieren, die Arbeit zum Nachlesen.
Der Navigator ist im April 2026 von ChatGPT zu Claude umgezogen. Die Studie wurde mit der ursprünglichen Fassung auf GPT-4o durchgeführt.
08 · Häufige Fragen
Nein, und er soll es auch nicht. Er kommt zum Einsatz, wenn dein Thema und deine Leitfrage stehen, aber bevor du in die Tiefe recherchierst oder Interviews vorbereitest. Er zeigt dir, welche Blickwinkel du übersehen haben könntest.
Aus einer Befragung der studentischen Ausbildungsredaktion uniCROSS, ausgewertet nach den Methoden der qualitativen Sozialforschung. Vier bilden Typen ab, die es in der Redaktion gibt, zwei bewusst solche, die dort fehlen.
Die Masterarbeit schlägt das ausdrücklich vor: Die Personas könnten für andere Hochschulen und Einrichtungen angepasst und erweitert werden. Für die Frage der Superdiversität nach ethnischer Herkunft müssten dabei neue Kategorien gebildet werden, die unabhängig von einzelnen Nationalitäten funktionieren. Schreib mir, wenn du das vorhast.
Weil sie sich maximal voneinander unterscheiden sollten und weil der Chatbot immer aus allen sechs antwortet. Das hat sich als Vorteil erwiesen: Man bekommt nicht eine fremde Perspektive, sondern den ganzen Fächer auf einmal.
Für beide. Die ersten beiden Teile sind Bestandsaufnahme und Theorie und lesen sich wie ein Sachbuch. Der dritte Teil ist empirische Forschung, mit Hypothesen, t-Tests und Signifikanzniveaus.
Wenn deine Organisation Orientierung im KI-Umbruch sucht und KI-Literacy oder Medienkompetenz fördern will, vernetze dich gerne mit mir oder schreib mir.
Der Navigator für Perspektivenvielfalt steht offen, die Masterarbeit ebenso.