Dieses Kapitel beschreibt, wie Vielfalt in der uniCROSS-Redaktion systematisch erfasst und in Personas übersetzt wurde. Auf Basis qualitativer Sozialforschung und eines diversitätssensiblen Fragebogens wurden Motivation, Werte und Perspektiven der Studierenden analysiert. Daraus entstanden vier zentrale Personas, die reale Redaktionsmitglieder repräsentieren, sowie zwei bewusst konstruierte Gegenentwürfe.
Die Personas bilden die Grundlage für Perspektivwechsel im journalistischen Alltag – und für den späteren Einsatz von KI zur Förderung vielfältiger und reflektierter Berichterstattung.
Der Mensch im Mittelpunkt
Die vorliegende Arbeit teilt sich in zwei Arbeitsschritte: Um den Versuch mit ChatGPT durchführen zu können, werden zunächst Personas entwickelt, die bei den späteren Testpersonen für den Perspektivwechsel sorgen sollen. Auch wenn Personas fiktive Charaktere der Zielgruppe sind, basieren sie auf Merkmalen echter Menschen.
In der qualitativen Sozialforschung steht stets der Mensch im Zentrum der Betrachtung. Als Grundlage qualitativen Denkens formuliert Philipp Mayring fünf Postulate [138]: Die von der Forschungsfrage betroffenen Subjekte müssen Ausgangspunkt und Ziel der Untersuchungen sein. Ausgangspunkt ist eine genaue und umfassende Beschreibung des Untersuchungsgegenstands, der nie völlig offen liegen kann, sondern immer auch durch Interpretation erschlossen werden muss. Die Subjekte sollten möglichst in einem alltäglichen Umfeld untersucht werden. Eine mögliche Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse muss im Einzelfall schrittweise begründet werden.
Studentische Zielgruppe
Die Zielgruppe von uniCROSS sind Studierende der Uni Freiburg. Dies betrifft sowohl den Kreis der aktiv Mitarbeitenden als auch die Rezipient*innen der Medienproduktionen. Redaktionsmitglieder sind also gleichzeitig Teil der Zielgruppe, für die Inhalte erstellt werden. Eine perspektivenreichere Berichterstattung ist für beide Seiten relevant: Die Rezipient*innen profitieren von einer konstruktiven und vielfältigen Darstellung komplexer Fragen unserer Zeit, um sich ihre eigene Meinung zu bilden. Die Redaktionsmitglieder erwerben für Journalist*innen wichtige Zukunftskompetenzen, indem sie üben, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen.
Zunächst soll herausgefunden werden, welche Typen von Menschen in der Redaktion vorhanden sind und welche nicht. Zur Deskription des Untersuchungsgegenstands, hier der studentischen Redaktionsmitglieder, wurde ein Fragebogen entwickelt, der sich an der Charta der Vielfalt [61] orientiert und drei unterschiedliche Fragearten beinhaltet: vorhandene und leicht zugängliche Online-Tests, Fragebögen und Übungen, Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten sowie offene Fragen.
uniCROSS Personas
Die Anzahl der zu bestimmenden uniCROSS Personas richtet sich nach der Motivation, den Zielen, Bedürfnissen und Herausforderungen der befragten Studierenden. Die Personas sollen sich in ihren Merkmalen maximal voneinander unterscheiden. Der Datensatz wurde zunächst nach Mustern in der Beziehung der erfragten Merkmale durchsucht. Dabei kristallisierten sich vier Typen heraus.
Die Personas Pia Protagonistin und Anton Aktivist sind Stellvertreter*innen für etwa 65 bis 75 Prozent der Studierenden bei uniCROSS. Sie sind extravertierte Persönlichkeiten. Malika Mediatorin und Alex Advokat*in sind introvertierte Persönlichkeiten und repräsentieren etwa 20 bis 25 Prozent der Redaktion. Anna Abenteurerin und Dennis Debattierer sind negative Personas, die in der Redaktion nicht vorhanden sind.
Um die negativen Personas zu ermitteln, die nicht in der uniCROSS-Redaktion vorhanden sind, wurden die Ergebnisse der qualitativen Befragung wie zuvor beschrieben mit allgemeinen Statistiken und Studienergebnissen verglichen. Die größten Abweichungen zeigten sich im Persönlichkeitstyp, den Wertvorstellungen und den Studienfächern.
Sozialfiguren mit höherer Qualifikation
Mitarbeitende bei uniCROSS studieren nahezu alle in geisteswissenschaftlichen Studiengängen. Nach dem Klassenschema von Daniel Oesch [139] können sie den sozio-kulturellen Experten zugeordnet werden, eventuell finden sie sich später auch im Management von Unternehmen wieder. Die Persona Anna studiert Informatik und repräsentiert die technischen Experten. Dennis strebt eine Selbständigkeit an und kann der Klasse Arbeitgeber und freien Berufe zugeordnet werden. Alle vier Sozialfiguren haben eine höhere Qualifikation. Sozialfiguren mit niedriger Qualifikation, wie Kleinunternehmer, Produktionsarbeiter, einfache Bürokräfte und Dienstleistungsarbeiter befinden sich außerhalb der akademischen Zielgruppe, die uniCROSS anspricht, und wurden nicht berücksichtigt.
Nachdem die Merkmale den Personas zugeordnet waren, wurden ausführliche Beschreibungstexte mit ergänzenden Zitaten formuliert, die als Input für ChatGPT dienen.
Quellen
| [61] | Charta der Vielfalt e.V., Vielfaltsdimensionen |
| [138] | P. Mayring, Einführung in die qualitative Sozialforschung, Weinheim und Basel: Beltz, 2002, 5. überarbeitete und neu ausgestattete Auflage. |
| [139] | D. Oesch, Redrawing the Class Map. Stratification and Institutions in Britain, Germany, Sweden and Switzerland, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2006. |

