Selfies, Memes, Emojis, Influencer*innen oder synthetische Identitäten mit KI – sie sind kulturelle Phänomene der digitalen Welt. Wir machen eine Zeitreise durch die digitalen Medien von 2005 bis 2025 zum 20-jährigen Jubiläum des Vereins Kommunikation und Medien in Freiburg.
Das Internet selbst mitgestalten (2005-2009)
2005 startet das Videoportal YouTube. Die ersten viralen Videoclips zeigen häufig einfache unbearbeitete Aufnahmen von Kindern oder Tieren, wie die Otters holding hands. Sie sind mit bis zu 240 Pixeln Breite für heutige Bildschirme sehr klein und unscharf. 3G-Mobilfunknetze mit Übertragungsraten bis zu 200 kb/s ermöglichen erstmals ruckelfreies Video-Streaming auf Handys.
Mit dem Start von Twitter 2006 und Facebook 2007 entsteht eine Partizipationskultur: Erstmals können Menschen ohne Programmierkenntnisse Inhalte im Internet selbst veröffentlichen. Blogs, Microblogs, Selfies, Memes und Emojis sind neue Phänomene.
Die Jahre sind geprägt von einer Kultur der Beteiligung, Selbstdarstellung und des Teilens. Technisch waren Kamera-Handys, soziale Plattformen und Breitbandinternet die entscheidenden Treiber. Inhaltlich entwickelte sich ein neuer Medienstil: authentisch, schnell, humorvoll und oft ironisch.
Das Selfie ist ein Statement
„Ich war da. Ich bin wer. Ich entscheide, wie du mich siehst.“ Das Duckface-Selfie wurde zum Meme und Symbol für überinszenierte Selbstdarstellung.
Das Meme ist der digitale Insiderwitz
Humor als Reaktion auf die Welt, den nur Eingeweihte verstehen.
Micro(Blogs)
Microblogging: ein Gedanke in 70 Zeichen. Ein Blog ist mehr als ein Text im Netz, es ist ein digitales Tagebuch.
Emotionen in Textnachrichten
Emoticons und Emojis geben in einer Nachricht den Ton an, für mehr Kontext und weniger Missverständnisse 🙂
Das Internet wird mobil und visuell (2010-2014)
Während Selfies zuvor eher spontan und unprofessionell waren, werden sie nun zum festen Bestandteil digitaler Kommunikation, dank Smartphones mit besserer Frontkamera und Instagram. Ellen DeGerenes takes a selfie at the Oscars bei der Filmpreisverleihung 2014 wird millionenfach geteilt.
Das Internet wird in dieser Phase visueller, emotionaler und mobiler. Nutzer*innen kommunizieren zunehmend mit Bildern, Emojis und kurzen Clips. Das eigene Leben wird öffentlich mit Hashtags kuratiert, zwischen Authentizität und Inszenierung. Influencer*innen repräsentieren Marken und werden zu medialen Persönlichkeiten.
Hashtags sind mehr als Schlagworte
Wer sie nutzt, will gesehen, gehört und gefunden werden.
Influencer*innen
geben Ratschläge fürs Leben, machen mehr oder wenig auffällig Werbung und sind selbst Projektionsfläche.
Instagram- & Snapchat-Filter
verändern, wie wir gesehen werden wollen.
Challenges
die digitalen Mitmach-Rituale.
Algorithmen, Stories und Hochkantvideos (2015-2019)
Das Internet wird in dieser Phase visueller, emotionaler und mobiler. Nutzer*innen kommunizieren zunehmend mit Bildern, Emojis und kurzen Clips. Das eigene Leben wird öffentlich mit Hashtags kuratiert, zwischen Authentizität und Inszenierung. Influencer*innen repräsentieren Marken und werden zu medialen Persönlichkeiten.
Ab dem Frühjahr 2016 fangen Menschen mit ihren Smartphones virtuelle Tiere in der realen Welt: Das augmented reality Game Pokemon Go verbreitet sich weltweit. Ein seltenes Relaxo lockt Hunderte in New Yorks Central Park.
Ab 2018 bringt TikTok Kurzvideos auf ein neues Level: kreativ, schnell, remixbar durch Memes, GIFs und Reactions. Für den Algorithmus zählen nur noch Inhalte, keine Follower.
Sprachassistenten wie Alexa ziehen in die Wohnzimmer ein. Gleichzeitig beginnt eine kritische Auseinandersetzung mit unserer ständigen Erreichbarkeit.
Stories zeigen den Moment
Nach 24 Stunden sind sie weg.
TikToks und Reels
Kurze schnelle Hochkantvideos im Loop.
Sprachassistenten
„Alexa, wie wird heute das Wetter?“
Digital Detox
Bewusst offline gehen, um sich wieder selbst zu finden.
Das Digitale als Lebensrealität (2020-2022)
Die Corona-Pandemie katapultiert die Welt in eine neue Phase digitaler Dauerverbindung. Homeoffice, Videokonferenzen, virtuelle Geburtstage, E-Learning und Co-Streaming werden Alltag. Zoomen wird ein neuer Begriff.
TikTok, Sprachnachrichten, Podcasts und Audio-Formate boomen. In dieser Phase wird die digitale Kommunikation intimer, flüchtiger und oft auch emotionaler. Filter, Avatare und Emojis helfen dabei, Distanz zu überbrücken. Und mit den ersten NFT-Hypes und Metaverse-Visionen wird klar: Die Zukunft wird noch digitaler, noch virtueller.
Videokonferenzen
#SocialDistancing und #WeStayAtHome werden zur Lebensrealität aller.
Sprachnachrichten
Gesprochene Gedankenkarusselle: ehrlicher als Text, schneller als ein Anruf.
Im Metaverse
kann dein Avatar alles sein, außer offline.
E-Learning
macht Bildung grenzenlos, wenn wir sie gut gestalten.
Künstliche Intelligenz und Synthetische Medien (2023-2025)
Mit dem Durchbruch generativer Künstlicher Intelligenz, wie ChatGPT, Midjourney, Sora und Co. sind wir in eine Phase eingetreten, in der Inhalte nicht mehr nur gefunden oder geteilt, sondern direkt erzeugt werden. Chatbot-Doing wird zur neuen Medienkompetenz.
KI-generierte Bilder, Texte, Videos und Stimmen fordern unser Verständnis von Kreativität und Wahrheit heraus. Deepfakes, synthetische Influencer*innen und personalisierte AI-Avatare machen die Grenze zwischen echt und künstlich porös. Gleichzeitig entstehen neue Ausdrucksformen und neue ethische Fragen.
KI-generierte Inhalte
KI schreibt mit, mal besser, manchmal beängstigend gut.
Deepfakes, gefährliche Täuschung
Deepfakes stellen nicht nur Bilder in Frage, sondern unsere Realität.
Synthetische Identitäten
Digitale Gesichter mit menschlicher Wirkung
Prompting
bedeutet, im Dialog mit einer Maschine zu sein.
Meine digitale Zeitreise
Mein Studium zur Diplom-Medieninformatikerin an der Hochschule Furtwangen habe ich von 1998 bis 2002 absolviert. Heute fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie wir ohne Smartphone, Social Media und schnelles Internet kommuniziert und Medien gestaltet haben. Ich kann mich noch erinnern, dass ich zu Studienbeginn meine erste Email-Adresse bekam und der Fachbereich Digitale Medien seine erste Website. Gegründet wurde der Studiengang Medieninformatik acht Jahre zuvor. 1990, ohne Zugang zum Internet, lernten die Studierenden, interaktive CD-ROM-Anwendungen zu programmieren.
Seit der Erfindung des World Wide Web durch Tim Berners Lee im Jahr 1989 haben sich Digitale Medien zuerst langsam verbreitet. Die Entwicklung von Smartphones und Social Media Plattformen Mitte der 2000er Jahre und die darauf folgende Einführung von Algorithmen führten zu einem exponentiellen Wachstum von Daten und einer immer schnelleren Taktung. Mit der Verbreitung von KI-generierten Informationen betreten wir den steilen Bereich dieser Kurve.
Wir müssen uns fragen, welche Anwendungen und Nutzungsformen von Künstlicher Intelligenz sinnvoll und vertretbar sind. Im Dezember 2024 habe ich deshalb eine Ausbildung zur KI-Trainerin absolviert und entwickele Schulungsangebote zur Förderung von KI-Kompetenz.

